Foto: Alena Halmes / halmeskobel


Aus 1.600 Wünschen wird ein »lebendiges Quartier«

11.06.21

Seit Herbst 2020 hat die Schöpflin Stiftung mit vier renommierten Architekturbüros am städtebaulichen Konzept für das 14.200 m2 große FABRIC-Gelände in Lörrach-Brombach gearbeitet. Nun wird es der  Öffentlichkeit vorgestellt und damit auch sichtbar, in welcher Form die Prinzipien der »Wunschproduktion« in die Ergebnisse eingeflossen sind. Ab April 2018 konnten Nachbar*innen, Lörracher*innen, Stiftungsmitarbeiter*innen und Gäste sechs Monate lang Ideen, Vorschläge und Wünsche für das neue Areal einreichen. Im Rahmen dieses intensiven Beteiligungsverfahrens, das ein Team um den Hamburger Konzeptkünstler Christoph Schäfer geleitet hat, kamen über 1.600 Wünsche zusammen, die in dem folgenden Planungsprozess eine zentrale Rolle gespielt haben.

Herzstück des neuen Quartiers werden verschiedene Freiflächen, in denen sich die Ergebnisse der »Wunschproduktion« in vielfältiger Weise widerspiegeln. Um den zentralen Platz, die »Agora«, ordnen sich die Ortschaftskantine und das »Werkhaus« mit öffentlichen Workshop- und Werkstatträumen an. Das Gelände sieht außerdem Wohnungen für unterschiedliche Formen des Zusammenlebens vor, die das bestehende Wohnungsangebot in Brombach zukunfts- und bedarfsorientiert ergänzen. Insgesamt sollen bis zu sieben Gebäude in mehreren Bauabschnitten entstehen; in allen Erdgeschossen wird es öffentliche oder gewerblich nutzbare Flächen geben. Mit der Ortschaftskantine und einem Café wird auch dem Wunsch nach einem niedrigschwelligen gastronomischen Angebot Rechnung getragen, in dem nicht der Konsumzwang sondern die Begegnung im Fokus steht. Alle Gebäude stehen im Park, was u. a. ein zentraler Wunsch der Nachbar*innen war. Auch das gewünschte Wasser findet sich im Entwurf an mehreren Stellen wieder. Die Umsetzung als autoarmes Quartier soll zusätzlich die Aufenthaltsqualität steigern. Die Planung umfasst darüber hinaus ein Baufeld, auf dem eine Weiterführung der Schöpflin Schule umgesetzt werden könnte, die im September 2021 auf dem gegenüberliegenden Gelände als Grundschule startet. Ob es eine weiterführende Schule geben wird, ist noch nicht entschieden.

Auch beim städtebaulichen Planungsverfahren mit Architekt*innen hat die Stiftung auf das »Wissen der Vielen« gesetzt. Statt eines klassischen Wettbewerbs wurde im Dialog mit den Expert*innen eine städtebauliche Lösung für die komplexe Aufgabenstellung erarbeitet. Ein Team aus vier internationalen Architekturbüros – BeL Sozietät für Architektur aus Köln, ifau Institut für angewandte Urbanistik aus Berlin, Clauss Merz aus Basel und NL Architects aus Amsterdam – sowie Landschaftsarchitekt*innen von META und Studio Céline Baumann aus Basel, Mobilitätsexpert*innen von ARGUS aus Hamburg sowie Energie- und Klimaexpert*innen von Transsolar aus Stuttgart hat über sechs Monate das Areal gemeinsam geplant. Die Art und Weise der Zusammenarbeit war den Büros freigestellt, für die diese Form eines kollaborativen Planungsprozesses auch etwas Neues und Besonderes war.

Begleitet wurde das Verfahren vom Basler Projektentwicklungsbüro denkstatt sàrl, das bereits im November 2019 die Realisierung der »Wunschproduktion« in einer städtebaulichen Machbarkeitsstudie geprüft hatte und das Werkstattverfahren mitkonzipiert, organisiert und moderiert hat. Ebenfalls aktiv beteiligt war ein Verfahrensbeirat unter Vorsitz von Prof. Dr. Christiane Thalgott, ehemaliger Stadtbaurätin aus München, dem auch Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, und Andreas Ruby, Direktor des Schweizer Architekturmuseums in Basel angehörten. Außerdem Teil des Beirats waren Vertreter*innen der Schöpflin Stiftung sowie Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic und die Ortsvorsteherin von Brombach Silke Herzog.

Die Wünsche der Menschen ernst zu nehmen, hatte für die Stiftung im Prozess oberste Priorität. Denn, wie unser Stifter Hans Schöpflin betont: »Wir wollen kein Denkmal für die Stiftung bauen, sondern ein funktionierendes und lebendiges Quartier für Brombach und den wachsenden Lörracher Norden.«

Ab 11. Juni 2021 können sich alle Interessierten auf dem FABRIC-Gelände in der Franz-Ehret-Straße in coronakonformen Frischluft-Formaten bei täglichen Führungen (10 Uhr und 18 Uhr) darüber informieren, was auf dem Areal in den nächsten Jahren entstehen soll.

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