»Die andere deutsche Teilung«. Digitaler Wortwechsel im Werkraum Schöpflin

02.12.20

»Die andere deutsche Teilung« ist der Titel einer aktuellen Studie der Organisation »More in Common«, die herausfand, dass etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung sich nicht in das gesellschaftliche Leben eingebunden fühlt. Wie kann es gelingen, gerade auch dieses Drittel wieder zu erreichen und einzubeziehen? Dieser Frage widmete sich ein digitaler Wortwechsel im Rahmen der Themenreihe »Man wird ja wohl noch…« des Werkraums Schöpflin. Gäste waren die Leiterin der Studie Laura-Kristine Krause (Geschäftsführerin More in Common), Roman Huber (Geschäftsführender Bundesvorstand von Mehr Demokratie e. V.) sowie Josha Frey (MdL, Die Grünen) und Jonas Hoffmann (Kreisrat, SPD). Rund 60 Teilnehmende verfolgten die Veranstaltung im Live-Stream, wobei auch die Möglichkeit genutzt wurde, sich im Chat an der Diskussion zu beteiligen.

Zunächst stellte Laura-Kristine Krause die wichtigsten Ergebnisse der Studie vor, die die Menschen in unserem Land in verschiedene Typen einteilt, ausgehend von ihren Wertefundamenten und davon, wie sie auf die Gesellschaft schauen. Hier konstatiert die Studie eine »Dreiteilung« in Deutschland: Während im ersten Drittel die »Etablierten« und »Involvierten« die Gesellschaft stabilisieren und am Status Quo festhalten wollen, kämpfen im zweiten Drittel die »Offenen« und die »Wütenden« an entgegengesetzten Polen um Veränderung. Im letzten Drittel wiederum sind die »Enttäuschten« und »Pragmatischen«, die sich von gesellschaftlichen Entwicklungen und der Politik abgehängt fühlen, weshalb diese Gruppe auch ein großes Nichtwähler-Potenzial birgt. In der Einbindung dieses »unsichtbaren« Drittels, so ein zentrales Fazit der Studie, liegt daher eine entscheidende Aufgabe für Politik und Zivilgesellschaft. Gebraucht werden Formate, Narrative und Experimente, die geeignet sind, auch diese Menschen zu erreichen.

Ein solches Experiment hat die Schöpflin Stiftung zusammen mit dem Verein Mehr Demokratie im Jahr 2019 in Deutschland mit dem »Bürgerrat Demokratie« angestoßen. Wie der geschäftsführende Bundesvorstand von Mehr Demokratie, Roman Huber, ausführte, sind Bürgerräte ein inzwischen weltweit erfolgreich eingesetztes Format, um mehr Beteiligung zu ermöglichen und Politikverdrossenheit entgegenzuwirken. Auch die Erfahrungen beim Bürgerrat Demokratie haben gezeigt, dass solche losbasierten Beteiligungsformate helfen können, Menschen aus ihren Filterblasen zu befreien, gemeinsam Kompromisse zu finden und gesellschaftliche Gräben zu überwinden.

Josha Frey, MdL (Die Grünen) und Jonas Hoffmann (Kreisrat, SPD) berichteten aus ihren Erfahrungen als politische Vertreter und betonten beide die Bedeutung von Selbstwirksamkeit, Respekt und Austausch auf Augenhöhe. Josha Frey versteht seine Rolle insbesondere auch als Vermittler zwischen den Menschen in der Region und den Entscheidungen auf Landesebene. Hier sei es wichtig, deutlich zu machen, inwiefern die Interessen und Sorgen der Wähler*innen wirklich vertreten werden. Für Jonas Hoffmann sind Empathie und Dialogbereitschaft aus ganz persönlichen Gründen ein Grundpfeiler seines Selbstverständnisses als Politiker.

Alle Diskutant*innen waren sich einig, dass Respekt und Vertrauen Schlüsselelemente für ein gelingendes Miteinander sind und es das Ideal jeden politischen und zivilgesellschaftlichen Engagements sein muss, alle Bürger*innen mit ihren individuellen Bedürfnissen und Sichtweisen zu adressieren und mitzunehmen. Der spannende Wortwechsel hätte aus Sicht der Beteiligten noch sehr viel länger weitergeführt werden können. So nahmen aber alle Teilnehmenden das Gefühl mit, dass sie sich – wenn auch vielleicht mit unterschiedlichen Mitteln – für dasselbe Ziel einsetzen: gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

Die Studie von »More in Common« ist abrufbar unter: https://www.dieandereteilung.de

Wer wissen möchte, zu welchem Typ er nach den Kriterien dieser Studie gehört, kann das hier in einem Quiz herausfinden.

Mehr Informationen »Bürgerrat Demokratie«: https://www.buergerrat.de/  

Nächste Veranstaltung in der Themenreihe »Man wird ja wohl noch…« des Werkraums Schöpflin: »Fake Facts« mit Katharina Nocun (Autorin von am Dienstag, 8. Dezember, um 19.30 Uhr (ebenfalls als Live-Stream). Weitere Informationen in Kürze auf werkraum-schoepflin.de.

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