Foto: Schöpflin Stiftung


Innovation braucht Querdenker und Rebellen!

18.10.19

Am Donnerstag letzter Woche hatten interessierte Lörracher*innen Gelegenheit, mit Thomas Sattelberger über die Bedeutung von »Talent« für die Zukunft unserer Gesellschaft ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Gesprächsreihe »Zukunft ist jetzt! – Impulse für eine zeitgemäße Bildung« statt.

In seinem Impulsvortrag fand der ehemalige Telekom-Personalvorstand Sattelberger deutliche Worte und attestierte der deutschen Wirtschaft ein Verharren in industrieller Unternehmenskultur, wodurch zwar bessere und effizientere Produkte entstünden, echte Innovation jedoch verhindert würde. Insbesondere die Homogenität unter deutschen Vorständen sei ein Problem – Unangepasste, Querdenker und Rebellen hätten hier keinen Platz. Des Weiteren sei zu beobachten, dass sich Vorstandsmitglieder deutscher Unternehmen bis hin zur Austauschbarkeit ähnelten, während zum Beispiel Frauen oder Arbeiterkinder seltener in Führungspositionen aufsteigen.

In einer zunehmend komplexen Umwelt sei es für Unternehmen, aber zum Beispiel auch für Parteien wichtig, verschiedene Perspektiven in den eigenen Reihen abzubilden, um auf Veränderungen zu reagieren und zukunftsfähige Ideen zu entwickeln. Sattelberger, der 2015 der FDP beitrat und seit zwei Jahren als Fraktionssprecher für Innovation, Bildung und Forschung im Bundestag sitzt, forderte mehr Raum für Vielfalt und fachfremden Input, sowie »dritte Orte« zum Experimentieren und Ausprobieren. In Schulen, Unternehmen und Parteien sollten Freiräume geschaffen werden, um Kreativität und neue Ideen unabhängig vom Arbeitsalltag zu ermöglichen.

Im anschließenden Gespräch, moderiert von Constanze Wehner, Programmleiterin des Bereichs »Schule & Entwicklung«, und dem geschäftsführenden Vorstand Tim Göbel, fragte das Publikum nach konkreten Ratschlägen zur Talententwicklung und der Rolle, die der Politik dabei zukommt. Den jungen Gästen im Publikum riet Sattelberger zu »Lehr- und Wanderjahren«, um sich unabhängig von der formalen Ausbildung neuen Erfahrungen auszusetzen und den Umgang mit Vielfalt zu lernen. Außerdem seien kleinere und dafür innovativere Arbeitgeber oft die bessere Wahl, wenn es um berufliche Entwicklungsmöglichkeiten ginge. Gleichzeitig sieht er die Politik in der Pflicht, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit eine neue, zukunftsweisende Unternehmenskultur entstehen könne. Von seinen Kolleg*innen im Bundestag wünscht er sich mehr Mut, alte Strukturen aufzubrechen und auch mal unbequeme Positionen zu vertreten.

Durch seine kenntnisreichen und schonungslosen Blick auf die deutsche Bildungs- und Arbeitslandschaft machte Thomas Sattelberger deutlich, dass viel zu tun bleibt, um vorhandene Talente zu heben und unsere Gesellschaft voranzubringen. Dass man sich dafür an die unangepassten Querdenker halten sollte und auch vor Widerständen aus den alten Strukturen nicht zurückschrecken sollte, zeigt nicht zuletzt Sattelbergers eigener Werdegang.

Der nächste und letzte Termin der Reihe findet am 26. November um 19 Uhr statt. Dann wird der Soziologe und Autor Harald Welzer zum Thema »Umdenken« sprechen. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen. Weitere Infos unter und Anmeldung auf der Website des Werkraum Schöpflin.

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