Familie Schöpflin

Schöpflin-Versandkatalog um 1960




Die erste Generation

Die Geschichte der Familie Schöpflin beginnt in Haagen – seit 1974 ein Ortsteil von Lörrach: Hier eröffneten Wilhelm und Wilhelmine Schöpflin im Jahr 1907 einen Gemischtwarenladen. 1924 wagten sie sich an einen Textilgroßhandel, ab 1930 wurden sie zu Pionieren des Versandhandels: Zunächst auf Handwagen, später auf Pferdewagen brachten ihre Angestellten die Pakete zur Post. Rund 900 Menschen arbeiteten vor dem Zweiten Weltkrieg bei Schöpflin – auch die Söhne Hans und Rudolf hatten Aufgaben übernommen. Nach Weltkrieg und Besatzungszeit bauten die Schöpflins ihr Unternehmen weiter aus – in der Zeit des Wirtschaftswunders waren die Schöpflin-Kataloge als „Standardwerke“ in vielen bundesdeutschen Haushalten zu finden. In den südlichen Bundesländern war Schöpflin zudem mit Einkaufszentren präsent. Wirtschaftlich gab es in den 60er-Jahren jedoch erste Probleme: 1964 übernahm die Familie Gustav Schickedanz und damit das Versandhaus Quelle 74,9 Prozent der Anteile, 1982 auch noch den Rest. 1999 schloss Quelle den Standort in Lörrach und gab den Markennamen Schöpflin auf – das Großversandhaus Schöpflin war Geschichte.

Hans & Rudolf Schöpflin

 

 

Neue Wege

Die dritte Generation – die Kinder von Hans Schöpflin – ist ihre eigenen Wege gegangen und nie in die Firma Schöpflin eingetreten. Während Heidi Junghanss heiratete und in der Region blieb, zog es die Brüder Hans und Albert hinaus in die Welt. Hans Schöpflin wurde Mitte der 70er-Jahre in den USA erfolgreicher Manager und Unternehmer, zunächst an der Seite von Sol Price. Dieser verband wirtschaftlichen Erfolg stets mit sozialer Verantwortung – eine prägende Erfahrung für Hans Schöpflin. Seit 1982 beteiligt Hans Schöpflin sich erfolgreich mit Wagniskapital an jungen Unternehmen, deren Ideen ihm gefallen – ein Konzept, das er später auf die Schöpflin Stiftung übertragen sollte.

Als 1995 sein Sohn an einer Überdosis Drogen starb, gab er seinem Leben noch einmal eine andere Richtung: Sein philanthropisches Engagement mündete 1998 in die Gründung der Panta Rhea Foundation in den USA und 2001 der Schöpflin Stiftung in Lörrach-Brombach.

Albert Schöpflin wechselte Anfang der 70er-Jahre zunächst ebenfalls in die USA: Hier und später in Hamburg war er als Fotograf und Filmer für Werbung und Journalismus tätig. Auch er startete nach fast 25 erfolgreichen Berufsjahren noch einmal neu: Unter dem Namen Scopin ist er heute als Künstler aktiv.


 



 


Die Schöpflin Stiftung

Im Jahr 2001 brachten die Geschwister Schöpflin das 1896 erbaute Wohnhaus ihrer Eltern, den ehemaligen Lindenhof in Lörrach-Brombach, in die Schöpflin Stiftung ein. In der Villa Schöpflin wurde 2002 zunächst ein Zentrum für Suchtprävention eröffnet. Im Laufe der Jahre kamen im malerischen, 10.000 Quadratmeter großen Park das Kinder- und Gärtnerhaus Schöpflin sowie der Werkraum Schöpflin hinzu. Gegenüber der Villa Schöpflin entwickelt die Schöpflin Stiftung derzeit gemeinsam mit dem Hamburger Künstler Christoph Schäfer und der vielfältigen Nachbarschaft ein 13.500 Quadratmeter großes Gelände, um eine neue Art von Stadtplanungsprozess zu erproben: das FABRIC Areal.

Alle drei Geschwister haben heute ihren Lebensmittelpunkt in der Region und engagieren sich persönlich in der Stiftung. Für künftige Generationen wird der Name Schöpflin weniger für ein Versandhaus stehen, sondern mehr für das Streben nach einer anderen, gerechteren Form des Zusammenlebens und des Wirtschaftens.