Vorstand


Tim Göbel & Hans Schöpflin

Herr Schöpflin, Sie haben gemeinsam mit ihren Geschwistern Heidi Junghanss und Albert Schöpflin die Stiftung gegründet. Engagiert haben Sie sich gleichwohl schon zuvor auf gesellschaftlich relevanten Feldern. Was war der entscheidende Impuls für dieses Engagement?

SCHÖPFLIN: Das auslösende Moment war 1995 der Tod unseres Sohnes. Dieses Ereignis hat bei mir eine Phase der Besinnung eingeleitet. Mir wurde klar, dass Geld keinen Selbstzweck hat. Man sollte dem Geld einen Sinn geben. 1997 habe ich damit begonnen, mich zu engagieren, zunächst ohne Stiftung. Dieses Engagement mündete in die Gründung der Schöpflin Stiftung auf dem Brombacher Anwesen unserer Eltern und der „Panta Rhea Foundation“ in den USA. Ein zentrales Element meiner Überlegungen war das Thema „Prävention“, vor allem mit Blick auf Drogenkonsum. Der Ansatz ist: nicht erst handeln, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Wie beschreiben Sie die generellen Ziele der Schöpflin Stiftung heute?

GÖBEL: Wir engagieren uns auf den Feldern Prävention, Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement. Unsere Hauptzielgruppe sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Zwei zentrale Begriffe schälen sich in unserer Arbeit immer weiter heraus: Bewusstseinsbildung – wir wollen jungen Menschen dabei helfen, ein waches, kritisches Bewusstsein für die Welt und gleichzeitig Selbstbewusstsein zu entwickeln. Dies ist die persönliche Ebene. Der zweite Begriff – „Demokratieförderung“ – ist mit der systemischen Ebene verknüpft. Dahinter steckt im Grunde das Ziel, dass wir in 50 oder 100 Jahren noch immer in einer starken Demokratie leben möchten.

Wir experimentieren in diesem Zusammenhang auch mit alternativen Formen der Beteiligungsprozesse und der Wissensproduktion. Und wir unterstützen NGOs, die sich mit der Weiterentwicklung der Demokratie auseinandersetzen.

Wie arbeitet die Stiftung?

GÖBEL: Die Stiftung besteht aus den fünf Bereichen Villa Schöpflin, Werkraum Schöpflin, Gärtnerhaus Schöpflin, Kinderhaus Schöpflin und Förderstiftung. Zudem finanzieren wir derzeit in Brombach gegenüber dem Schöpflin-Gelände „FABRIC“ als Sonderprojekt.

Die eine Seite ist operativ tätig, das heißt, wir betreiben die genannten Angebote, beschäftigen eigene Angestellte in der Suchtprävention etc. Die andere Seite ist die der Förderung: Wir geben mit der Förderstiftung anderen Akteuren Geld, damit sie Dinge tun können, die wir für unterstützenswert halten. In der Förderstiftung überführen wir die Idee, mit der Hans Schöpflin sein Geld verdient hat, in den sozialen Sektor. Wir geben Risikokapital in NGOs, soziale Initiativen und soziale Unternehmen, die sich in den von uns definierten Themenfeldern engagieren.

Wie finanzieren Sie das alles?

SCHÖPFLIN: Die Stiftungsaufgaben werden aus meinen nach wie vor bestehenden geschäftlichen Aktivitäten finanziert. Mein Kapital liegt nicht in der Stiftung, sondern ich verdiene weiterhin Geld damit. Wir haben ein jährliches Budget, das ich aus meinem unternehmerischen Vermögen heraus bestreite.

Wie sehen Sie ihre eigene Rolle in diesem Geflecht. Sind Sie auch ein bisschen ein Mäzen?

SCHÖPFLIN: Ich sehe mich gewiss nicht als Mäzen. Ich würde mich viel eher als aktiven Philantropen bezeichnen. Was ich als Unternehmer gelernt habe, versuche ich, in diese Philanthropie hineinzutragen.

Sie sind aus Kalifornien nach Brombach zurückgekommen. Ihre Stiftung agiert bundesweit. Wie verorten Sie diese zwischen den USA, Berlin und Lörrach? Welche Bedeutung hat das Regionale für Sie?

SCHÖPFLIN: Wir möchten in jedem Fall eine regionale Rolle spielen, sind aber mit unserer Fördertätigkeit auf nationaler Ebene und in Einzelfällen sogar im benachbarten Ausland tätig. Die Stiftung steht nicht nur auf einem Bein. Wenn wir nur regional tätig wären, hätten wir eine ganz andere Stellung gegenüber anderen Stiftungen. Das ist mir sehr wichtig: Wenn wir mit unserer Anschub- und Risikofinanzierung gute Arbeit leisten, dann wird früher oder später eine andere Stiftung sagen: Die wissen, was sie tun – hier steigen wir auch ein. Und wenn sich das idealerweise wiederholt, können wir unser Engagement zurückfahren und neue Organisationen unterstützen.

Dieses Modell ist eher unüblich in Deutschland.

GÖBEL: Das ist tatsächlich so. Zum einen gibt es wenige Stiftungen, die sowohl regional als auch überregional aktiv sind. Zum anderen: Die meisten Stiftungen geben ausschließlich projektgebundene, zeitlich befristete Mittel. Auch in Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise gab es viel Projektförderung. Dagegen geben nur wenige Stiftungen risikoorientiertes Geld oder Kapital für Strukturförderung. Letztere wird von uns in der Regel auf drei bis fünf Jahre gewährt. Die NGOs können dabei selbst über die Verwendung dieser Mittel entscheiden. Damit können sie auch Kosten übernehmen, die sonst oftmals nicht durch Projektmittel gedeckt sind. Miete, Buchhaltung, Kommunikation, IT, das Gehalt für den Gründer: All das wird von anderen Stiftungen oftmals nicht finanziert. Genau dieses Geld, das keiner zahlen will, finanzieren wir.

Uns geht es mit all diesen Aktivitäten darum, neben den öffentlichen, staatlichen Akteuren und den privatwirtschaftlichen einen dritten, zivilgesellschaftlichen Akteur wie NGOs in unserer Gesellschaft zu verankern – und zwar auch als Gegengewicht zu den anderen beiden. Wir glauben, dass dies zu einer gesunden Gesellschaft dazugehört.

Quelle: Oberbadische Zeitung