Was macht einen Ort aus, wodurch erhält er seine Bedeutung? Orte sind weit mehr als geografische Punkte oder eine architektonische Struktur. Vielmehr entstehen sie durch das Zusammenkommen von Menschen und durch deren Aneignung des Raumes. Zugängliche Orte sind für eine freiheitliche Gesellschaft unersetzlich.
Indem wir als Schöpflin Stiftung inspirierende, offene Orte in unserer Gesellschaft schaffen, können wir positiv auf Individuen und das Zusammenleben wirken. Mit diesem Grundgedanken hat die Schöpflin Stiftung in Lörrach den Kultur- und Debattenort Werkraum Schöpflin und die Schöpflin Schule geschaffen. Beide Orte bieten Menschen auf sehr unterschiedliche Weise einen anregenden Raum und Gelegenheiten, sich auszutauschen, sich zu entfalten und zu wachsen.
Auch beim Bau eines Gebäudeensembles in Berlin-Neukölln hat uns diese Idee geleitet: mit unserer Tochtereinrichtung Publix, Haus für Journalismus und Öffentlichkeit, sowie für die Stiftung Spore Initiative Gebäude zu schaffen, die als Orte positiv in ihr jeweiliges Feld und in ihre Nachbarschaft ausstrahlen. Das große Interesse der Besucher:innen an beiden Häusern sowie die Anerkennung aus der Fachwelt bestärken uns auf diesem Weg.
Die Spore Initiative bietet Raum für Ausstellungen, Workshops, Vorträge und Seminare an der Schnittstelle von Klimagerechtigkeit, ökologischer Regeneration und Bildung. Publix hat sich mit einem eigenen Veranstaltungsprogramm zu Journalismus und digitalen Technologien, Medienkompetenz, öffentliche Meinungsbildung und Demokratie etabliert. Gleichzeitig ist es Arbeitsort für mehrere Dutzend zivilgesellschaftliche Organisationen und Medienschaffende, beherbergt Film- und Audiostudios, Gäste-Apartments, Veranstaltungsräume sowie ein Café.
Erbaut wurden die unmittelbar benachbarten Gebäude vom Architekturbüro AFF Architekten Berlin, eröffnet in den Jahren 2023 (Spore Initiative) sowie 2024 (Publix). Sie grenzen mit ihrer Frontseite an die belebte Hermannstraße, an ihrer Rückseite liegt eine evangelische Friedhofsanlage. Erhalten und in die architektonische Komposition aufgenommen sind zwei Zeugnisse der früheren Funktionen dieser Orte. Das ist zum einen ein denkmalgeschützter Leuchtfeuermast des stillgelegten Flughafen Tempelhof, zum anderen das Eingangsportal zum Friedhof.
Am 11. September 2025 wurden die beiden Bauten mit dem »Nike« des Bunds Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) in der Kategorie »Gesellschaftliches Engagement« bedacht. Er gilt in Fachkreisen als höchste Auszeichnung innerhalb der Architekturwelt. Alle drei Jahre wird er an bundesweit herausragende Architektur in den sechs Kategorien Bildung, Gesellschaftliches Engagement, Aktivierung, Wohnen, Soziale Intervention und Umgang mit Bestand vergeben. Bei der Preisverleihung in Erfurt würdigt die Jury nicht nur die »angenehmen Proportionen der Baukörper und die enorm hohe Detailqualität der Fassaden« des Gebäudeensembles, die den Ort als eine »ornamentale Setzung im Stadtraum« sichtbar machten, sondern insbesondere die Integration in die Nachbarschaft: »Dennoch ist das Ensemble kein reiner Architektur-Ort geworden, sondern es ist durch sein starkes sozialpolitisches Angebot mit teilweise öffentlichen Nutzungen beim ansässigen Publikum unerwartet schnell als Arbeits- und Begegnungsort angenommen worden – im besten Sinne ein ›open space‹ für alle.«
Weiter äußert sich die Jury anerkennend über die »subtile Integration des denkmalgeschützten Leuchtfeuermastes des Flughafens Tempelhof und des (transloszierten) historischen Friedhofportals, die als ›Spolien‹ lokaler Geschichte selbstverständlich integriert wurden.«
Im Rahmen der Verleihung des Deutschen Architekturpreises 2025 in Berlin wurde das Gebäudeensemble aus Publix und Spore Initiative mit einer von zehn Auszeichnungen geehrt. Der Deutsche Architekturpreis, vergeben von Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie von der Bundesarchitektenkammer, wird alle zwei Jahre ausgelobt. Das Verfahren führt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) durch.
Der Staatspreis umfasst einen Hauptpreis sowie zehn Auszeichnungen für Bauten, die den öffentlichen Diskurs über Baukultur und Nachhaltigkeit in Deutschland anregen. Der Deutsche Architekturpreis würdigt Gebäude, die als gestalterisches und bautechnisch konstruktives Vorbild des zukünftigen Bauens dienen sowie ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte in ihrer Bauweise berücksichtigen. Die Gebäude von Publix und Spore Initiative tragen laut Jury maßgeblich zu einem hohen Niveau des Bauens in Deutschland bei.
Zum Deutschen Architekturpreis ist eine hochwertige Publikation erschienen, in der alle ausgezeichneten Bauten ausführlich vorgestellt werden. Sie ist auf der Seite des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung abrufbar.
Das Stiftungsensemble erhielt am 7. Mai 2025 den ersten Preis des polisAWARD für urbane Flächennutzung. Es habe vorbildlich das städtebauliche Ziel erreicht: die Einbindung in die Hermannstraße sowie die Vermittlung zwischen Blockrandbebauung und Parkflächen und die Integration historischer Relikte. Der polisAWARD ist ein Preis für Projekt- und Stadtentwicklung und wird in acht Kategorien vergeben, die sich an verschiedenen Aspekten der Stadtentwicklung orientieren. Eine 15-köpfige Fachjury unter dem Vorsitz von Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, lobte die »beispielhafte Ermutigung für gemeinnützig orientierte Bauvorhaben, die sich den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit widmen und darüber hinaus weit in die Nachbarschaft hereinwirken.«
In der Begründung für die Auszeichnung schreibt die Jury weiter: »Das Projekt hebt sich durch seine holistische Herangehensweise an nachhaltige Stadtentwicklung ab. Es kombiniert innovativen Städtebau mit gemeinwohlorientierten Nutzungen und setzt sowohl architektonische als auch gesellschaftliche Impulse. Beide Gebäude sind prototypisch und zeichnen sich durch einzigartige Nutzungskonzepte aus. Die adaptive Wiederverwendung von Materialien, der integrative Planungsprozess und die enge Verbindung von Ort, Kontext und Funktion machen das Ensemble besonders. Die Synergie zwischen der ›Spore Initiative‹ und dem ›Publix‹ zeigt, wie Architektur nicht nur Räume schafft, sondern aktiv zur sozialen Transformation beitragen kann.«
Am 31. Januar 2025 wurde das Gebäude der Spore Initative mit dem DAM-Preis 2025 für Architektur in Deutschland geehrt. Der Preis wird seit 2007 jährlich vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main vergeben. Die Auswahl geschieht in einem gestaffelten Verfahren, bei dem die Jury zunächst aus rund 100 Bauwerken eine Shortlist mit Nominierten erstellt und zuletzt die in der finalen Auswahl verbliebenen Bauensembles ausführlich besichtigt. Besonders lobte die Jury die »gelassene und einladende Architektur, die die Schwellenangst mindert und die Nachbarschaft einbindet.« Das Haus sei ein gelungenes Beispiel für städtebauliche Integration: Durch seine Positionierung an der Hermannstraße sei ein kleiner Platz entstanden, der zu mehr Aufenthaltsqualität an der belebten Straße führe. Das Haus selbst sei mit den fließenden Räumen des Foyers, einem Café sowie Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen eine Einladung zur Erkundung – auch des rückwärtig gelegenen Gartens.
»Es ist ein archaisches und kraftvoll schönes Haus, das sich in einem Kontext behaupten kann, wo Chancen und Chancenlosigkeit nahe beieinanderliegen. Die wunderbar komponierten Vorplätze und das atemberaubende Erdgeschoss sagen: ›Ich bin ein öffentlicher Ort.‹ Hinten ist fast so etwas wie eine Idylle entstanden. Ein Glücksfall.«
Regula Lüscher, Architektin, Senatsbaudirektorin/Staatssekretärin a. D., Juryvorsitzende
Die Jury unter dem Vorsitz von Regula Lüscher setzt sich aus dem Direktor und Kurator:innen des DAM, Architektinnen, Kritikern sowie weiteren Fachleuten zusammen.
Der Ehrenpreis des Berliner Landesverbands des Bunds Deutscher Architektinnen und Architekten BDA Berlin wird alle drei Jahre ausgelobt. Er würdigt gleichermaßen Architekt:innen und Bauherr:innen für besondere baukünstlerische Leistungen im Land Berlin. Die Preisträger:innen der Gewinnerprojekte wurden im Rahmen der Preisverleihung am 14. November 2024 im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) gewürdigt. Die international besetzte Fachjury unter dem Vorsitz von Alexander Poetzsch hob in ihrer Jurybegründung die »sensible Eleganz, Fügung und Offenheit« des Ensembles hervor. Das Gebäude bereichere den städtischen Kontext, sei bis ins Detail mit Sorgfalt gestaltet und funktioniere ausgezeichnet, so das Urteil der Jury. Den Architekten sei es gelungen, die markanten Gebäude aus rotem, teils recyceltem Backstein nahtlos in die Häuserzeile der Hermannstraße einzufügen und dabei denkmalgeschützte Elemente wie ein Friedhofsportal und den Leuchtfeuermast des ehemaligen Flughafens Tempelhof zu integrieren.
Alle prämierten Projekte sowie zwölf weitere Projekte der engeren Wahl wurden im Rahmen einer mehrwöchigen Ausstellung präsentiert. Ein Katalog dokumentiert den BDA PREIS BERLIN 2024.
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