Drei Antworten von Valentin Rühlmann, FACK e.V. (Förderpartner der Schöpflin Stiftung)

Junge Menschen als Gestalter:innen der Zivilgesellschaft

Die Organisation FACK e.V. setzt sich mit ihren Angeboten dafür ein, junge Menschen zu selbstbestimmten, mutigen, reflektierten und innovativen jungen Erwachsenen zu entwickeln. Die von FACK e.V. gegründete und betriebene FACKtory im ostdeutschen Altenburg bietet einen offenen Raum, in dem junge Menschen gestalten, scheitern, wachsen und ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können. Der Clubraum und der Campus bilden Orte der Begegnung, während in der Werkstatt, dem Atelier, dem Tonstudio sowie in der Working Area und dem Makerspace an Projekten zur Gestaltung der Region gearbeitet wird. Um die FACKtory weiter auszubauen und zu stärken, unterstützen wir FACK e.V. seit Juli im Rahmen einer neuen Förderpartnerschaft. Im Interview erklärt uns der Geschäftsführer Valentin Rühlmann, was junge Menschen stark macht – und warum Beteiligung mehr ist als Mitbestimmung.

Bei FACK e. V. legen junge Leute selbst Ziele für die Jugendarbeit fest und setzen sie mit um. Wie verändern sich Rollenbilder und Verantwortungsgefühl junger Menschen, wenn sie nicht »bespielt« werden, sondern selbst Gastgeber:innen und Mitgestaltende sind?

Valentin Rühlmann: In einer deutlich herausfordernden und komplexer gewordenen Welt nehmen sich viele Menschen immer öfter als ungenügend, unwirksam und zu schwach wahr. Das ist der Nährboden, auf dem zahlreiche Probleme unserer Zeit, besonders auch die gesellschaftliche Radikalisierung, gedeihen. Wenn Jugendarbeit lediglich darauf zielt, kurzfristig Entlastung zu schaffen oder Bedürfnisse top-down zu erfüllen, werden wir das Problem nicht lösen. Indem wir jungen Menschen ermöglichen, FACK auf allen Ebenen mitzugestalten, befähigen wir sie, über Bedürfnisse, Werte und Motive von sich selbst, aber auch von anderen Menschen zu reflektieren. Wir nehmen sie in die Verantwortung – für sich, für ihr eigenes Handeln, aber auch für die Gemeinschaft. Sie erleben sich als wirksame Gestalter:innen ihres eigenen Lebens und als positive Kraft im Leben anderer. Diese jungen Menschen sind nicht länger überfordert; sie sind mutige, selbstbestimmte, reflektierte und vor allem aktive junge Erwachsene, die ihr Leben und die Welt gestalten.

Wie können Begegnungsorte wie die FACKtory konkret dazu beitragen, dem zunehmenden Rechtsruck – insbesondere im ostdeutschen Raum – etwas entgegenzusetzen?

Valentin Rühlmann: Der Rechtsruck in Deutschland liegt zu einem Teil in der Überforderung der Menschen durch die komplexer gewordene Zeit – eine Überforderung, die oftmals umso größer ist, je weniger strukturelle oder persönliche Ressourcen vorhanden sind, um damit umzugehen. Diese Verunsicherung wird von politischen Agitatoren ausgenutzt, um die Menschen für ihre eigenen Ideologien einzuspannen. Menschen, die sich nicht bedeutsam genug fühlen, redet man ein, sie seien die »großen Deutschen« und besäßen als Teil dieser vermeintlichen Ingroup einen besonderen Wert, den sie insbesondere dann herausstellen könnten, wenn sie sich möglichst intensiv von der Outgroup abgrenzen. Will man diesen Prozess durchbrechen, muss man Menschen ihre eigene Stärke als einzigartiges Individuum und zugleich als Teil einer vielfältigen Gemeinschaft zeigen. Die FACKtory ist ein Ort, an dem man ganz niedrigschwellig Teil einer solchen Gemeinschaft sein, Verantwortung übernehmen und seine eigene Wirksamkeit spüren kann. Sie ist ein Raum, in dem viele verschiedene junge Menschen zusammenkommen, sich gegenseitig kennenlernen oder sogar verstehen lernen und in dem sie eingeladen und befähigt werden, eigene Aktionen, Formate und Projekte zu gestalten. Zukünftig werden sie die Zukunftsfabrik selbst auch für weitere junge Menschen öffnen, neue Jugendliche willkommen heißen und mit ihnen gemeinsam Ideen entwickeln. Dabei lernen sie, selbst ein Umfeld zu gestalten, in dem unterschiedlichste Menschen gern zusammenkommen, um gemeinsam etwas Neues zu erschaffen.

Was braucht es, damit Räume wie die FACKtory auch in anderen Regionen entstehen können – und welche Erfahrungen aus Altenburg würden Sie anderen Initiativen mitgeben?

Valentin Rühlmann: Zwei Erfolgsfaktoren für den Aufbau der FACKtory waren das Vertrauen der Stadt Altenburg und die Haltung der mitwirkenden Akteure. Die Stadt Altenburg entschied sich, das Gebäude an einen zu diesem Zeitpunkt sehr jungen ehrenamtlichen Verein zu geben – das war ein mutiger Vertrauensvorschuss. Für uns als Akteure war es entscheidend, dieses Vertrauen durch ein professionelles Auftreten, verlässliche Kommunikation und nachweisbare Wirkung zu belohnen. Dafür braucht es vonseiten der zahlreichen Mitwirkenden von FACK die Offenheit, mit neuen Strategien zu experimentieren, die Bereitschaft, Risiken einzugehen, und das Commitment, sich selbst immer auch als Lernende zu begreifen.

In den vergangenen Jahren zeigte sich über die FACKtory hinaus, dass die Haltung, mit der wir uns selbst und unserer Zielgruppe begegnen, entscheidend ist. Haltung – als grundlegende Annahmen über sich selbst sowie die Welt und daraus resultierende Verhaltenstendenzen – prägt unser Handeln besonders dann, wenn wir unseren Alltag routiniert durchleben oder unter großer Anspannung stehen. Daher ist diese Haltung für unsere Arbeit, die junge Menschen in verschiedensten Lebenslagen immer wieder begleitet, so entscheidend für den Impact: Jeder Mensch trägt in sich das Potenzial, einen wertvollen Beitrag zum Wohl der Gemeinschaft zu leisten.


Weitere Infos zur neuen Förderpartnerschaft mit FACK e.V. gibt es hier.

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