Unser neuer Förderpartner »Smarter Start ab 14« setzt sich für einen späteren Einstieg in die Smartphone- und Social-Media-Nutzung bei Kindern ein. Statt auf individuelle Entscheidungen zu setzen, bringt die Organisation Eltern zusammen, um dem sozialen Druck hin zu einer frühen Nutzung etwas entgegenzusetzen. Im Interview berichtet uns Mitgründerin Verena Holler, wie es der Initiative gelingt, Eltern zu vernetzen, sie für das Thema zu sensibilisieren und wie Kinder auch ohne Smartphone Medienkompetenz entwickeln.
1. Mit welchen Argumenten überzeugen Sie Eltern vom Tastenhandy ohne Internet?
Verena Holler: Der Satz »Im Internet gibt es kein Nichtschwimmerbecken« macht Eltern deutlich, worum es geht: Mit einem Smartphone gibt man einem Kind einen permanenten Zugang zur digitalen Erwachsenenwelt. Und umgekehrt hat die ganze Welt auch Zugang zu unserem Kind. Es gibt keinen funktionierenden Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Es gibt keinen kindersicheren, geschützten Bereich. Stattdessen sind Kinder in der digitalen Welt vielfältigen Risiken ausgesetzt: Inhalten, die sie überfordern, permanentem Aufwärtsvergleich, Stress durch den Druck, immer online sein zu müssen, suchtfördernden Designelementen, Glücksspielelementen, sexueller Belästigung, Mobbing, manipulativer KI usw.
Dazu kommt: Zeit am Smartphone geht automatisch auf Kosten von wichtigen Entwicklungsaufgaben. Es geht also nicht nur um das, was Kinder erleben, wenn sie am Smartphone sind, sondern auch um das, was sie in der Zeit nicht machen, was sie verpassen.
Entscheidend ist der Perspektivwechsel: Es geht nicht darum, Kindern etwas wegzunehmen, sondern ihnen Zeit zu geben – für Freundschaften, Bewegung und eine gesunde Entwicklung. Und um Erreichbarkeit sicherzustellen, reicht ein einfaches Tastenhandy völlig aus. Es ist deshalb die bessere Alternative für Kinder. Und viele Eltern sagen uns: Eigentlich möchten wir genau das. Es fehlt nur die Gewissheit, nicht die Einzigen zu sein.
2. Warum ist der kollektive Ansatz wirksamer als Appelle an Einzelne?
Verena Holler: Weil das Problem kein individuelles ist. Selbst wenn mein Kind kein Smartphone hat, kann es leicht über Freund:innen und deren Geräte mit allem in Berührung kommen. Es ist ein bisschen wie Passivrauchen. Ich bekomme unwillkürlich das ab, was andere konsumieren. Zum anderen haben Eltern oft das Gefühl, keine Wahl zu haben, wenn »alle anderen« schon ein Smartphone haben. Sie möchten ihr Kind nicht zum Außenseiter machen und geben deshalb dem Druck nach.
Gemeinsame Absprachen wie unser »Smarter Start Elternpakt« in der Grundschule oder unsere »Smarter Start Klassen« in der 5. und 6. Klasse, aber auch die Vernetzung mit Gleichgesinnten in unseren bundesweit über 1.900 Smarter Start Elterngruppen lösen genau dieses Dilemma: Wenn viele Eltern sich gemeinsam entscheiden, mit dem Smartphone und Social Media noch zu warten, verschwindet der Druck. Alleine »Nein« sagen ist schwer. Gemeinsam »Noch nicht« sagen ist leicht.
3. Wie reagieren Kinder und Jugendliche – klappt ein späterer Einstieg überhaupt?
Verena Holler: Die Erfahrung zeigt: Ja – und er klappt eben vor allem dann gut, wenn Eltern sich einig sind und Kinder gemeinsam später starten. Denn Kinder orientieren sich stark an ihrer Peergroup. Wenn die anderen um sie herum auch noch kein Smartphone und Social Media haben, entsteht gar nicht erst das Gefühl, etwas zu verpassen. Dann ist es normal, dass man eben erst später ein Smartphone darf, so wie man auch erst später Autofahren, wählen oder Alkohol trinken darf.
Wichtig ist: Der Verzicht auf ein eigenes Smartphone bedeutet nicht, dass Kinder keine digitale Medien nutzen sollten. Im Gegenteil: Die Zeit ohne eigenes Gerät sollte genutzt werden, um Kinder schrittweise an digitale Medien heranzuführen, ihnen Medienkompetenz zu vermitteln und eine gesunde Nutzung einzuüben. Nach dem Motto: »Erst smart. Dann phone.« Durch einen späteren und begleiteten Einsteig gewinnen Kinder wichtige Jahre für Schlaf, Spiel, Bewegung, Freundschaften, Selbstregulation und neuronale Reifung. Mehr reales Leben – bevor sie permanent online sind.
Weitere Informationen zur neuen Förderpartnerschaft mit »Smarter Start ab 14« finden Sie hier.