JoinPolitics-Community auf einem gemeinsamen Event
Alumni der JoinPolitics im Austausch. Vorne links im weißen Blazer: Nora Seitz | Foto: Frederike van der Straeten

JoinPolitics startet nächste Bewerbungsrunde: Neue Talente für die Politik

Neue Köpfe, neue Ideen: Politik lebt von Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Lebenswegen. Doch der Weg in ein politisches Amt ist für viele eine hohe Hürde – gerade für junge Menschen. Frauen sind meist unterrepräsentiert, im Bundestag stellen sie nur rund ein Drittel der Abgeordneten.

Eine von ihnen ist Nora Seitz aus Chemnitz. Die 42-Jährige ist Fleischermeisterin und arbeitet im Familienbetrieb, den ihre Großeltern vor knapp 100 Jahren gründeten. Sie hat geschafft, was nur selten gelingt: den Sprung aus dem Handwerk in die Bundespolitik. Seit 2025 sitzt sie für die CDU im Deutschen Bundestag – als eine von nur sechs Handwerksmeister:innen. Dabei hatte sie ursprünglich gar nicht geplant, Berufspolitikerin zu werden. Ihre Meinung änderte sie während der Corona-Pandemie: »Nachdem ich den ersten Tag des Lockdowns von 8 bis 21 Uhr am Telefon hing und irgendwann dem dritten Ministeriumsmitarbeiter in Sachsen erklärte, dass Fleischer und Bäcker sehr wohl systemrelevant sind – und nicht nur Supermärkte – dachte ich: Das mache ich jetzt selbst.«

Auf ihrem Weg in den Bundestag wurde sie unterstützt durch die gemeinnützige Organisation JoinPolitics, deren Arbeit die Schöpflin Stiftung fördert. Die Berliner Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit überzeugenden Ideen und Ansätzen für politische Ämter und Projekte zu finden, zu fördern und zu verbinden – auf kommunaler Ebene genauso wie in Landes- und Bundespolitik. Mit Nora Seitz zogen 2025 insgesamt sechs JoinPolitics-Alumni in den Deutschen Bundestag ein, fünf von ihnen zum ersten Mal. Verena Hubertz (38) gehört als erste JoinPolitics-Alumna der Bundesregierung an. Seit vergangenem Jahr ist sie Ministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. 

 

Für mehr Vielfalt in der Politik

Caroline Weimann hat JoinPolitics 2019 gegründet. Mit dem Aufstieg populistischer Parteien fragte sie sich, was im Demokratiebetrieb schieflaufe. In Gesprächen stieß sie immer wieder auf dasselbe Problem: »Immer weniger Menschen mit neuen Ideen gehen in die Politik. Und das, obwohl die Demokratie genau jetzt mehr Talente, innovative Ideen und Tatkraft braucht«, erklärt Weimann. Dabei mangelt es aus ihrer Sicht nicht an Menschen, die etwas verändern wollen. Vielmehr erschweren etablierte Strukturen vielen den Weg in die Politik; andere fühlen sich vom bestehenden Parteiensystem kaum noch angesprochen. Genau hier setzt JoinPolitics an: Die Initiative fördert Menschen mit praktischer Erfahrung und dem Willen, Politik zu gestalten – ausdrücklich Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung, Nicht-Akademiker:innen und andere Gruppen, die im politischen Betrieb bisher noch zu wenig Gehör finden.

In einer Zeit gesellschaftlicher Herausforderungen – von der Reform der Sozialsysteme, über die Digitalisierung bis hin zum Klimawandel – brauche es außerdem mehr Politiker:innen, die gemeinsam mit Abgeordneten anderer demokratischer Parteien Lösungen finden, glaubt Weimann. »Das ist zentral für unsere Vision einer modernen, zukunftsfähigen Demokratie. Wenn Talente zeigen, dass Politik über Parteigrenzen hinweg Veränderung bewirken kann und konkrete Probleme gelöst werden, dann wächst auch das Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Demokratie«, sagt sie.
 

Klare Strategie, sicherer Auftritt und starke Nerven

JoinPolitics sucht politisch talentierte Menschen mit neuen Ideen. Inzwischen besteht das Team aus 13 Festangestellten. 40 Fellows unterstützen ehrenamtlich mit ihrer fachlichen Expertise, darunter Expert:innen aus Politik, Wirtschaft und Medien, etwa ein Politikstratege und ehemaliger Wahlkämpfer von Barack Obama. Das Team bietet Bootcamps, Masterclasses, Mentoring und Coaching an.  Vermittelt werden Fähigkeiten, die im politischen Betrieb wertvoll sind:  Wie entwickle ich eine Strategie, was ist wertegeleitete Führung und wie trete ich souverän in der Öffentlichkeit auf?

Trainer:innen bereiten die Teilnehmendenauf die Belastungen eines Wahlkampfs vor und beraten sie, wie es ihnen auch unter Druck gelingt, für sich selbst zu sorgen. Teile des Programms werden individuell auf die Teilnehmenden zugeschnitten. Das Angebot ist für sie kostenfrei, finanziert wird es durch Spenden. Zusätzlich können sich die Teilnehmenden auf finanzielle Förderung bewerben, etwa für Sach-, Personal-, Reise- und Lebensunterhaltskosten. Insgesamt auf jeweils bis zu 40.000 Euro. 

Das Programm ist berufsbegleitend gestaltet. Ein verpflichtender Präsenztermin ist das mehrtägige Bootcamp. Mentoring-Termine werden individuell vereinbart, Coachings und digitale Learn-Sessions sind freiwillig. So können die Teilnehmenden selbst entscheiden, wie viel Zeit sie über das monatlich fest definierte Minimum hinaus investieren. Bisher hat JoinPolitics 85 Alumni in neun Kohorten gefördert – ausgewählt aus mehr als 800 Bewerbungen. Anfangs lag der Schwerpunkt vor allem auf der finanziellen Förderung. Schnell habe sich jedoch gezeigt, dass die inhaltliche Unterstützung und das Netzwerk für die Teilnehmenden mindestens genauso wichtig seien, erklärt Weimann.

 

Fokus auf die eigenen Stärken

Nora Seitz half die Unterstützung durch JoinPolitics vor allem darin, ihren Wahlkampf strategisch zu fokussieren. Gemeinsam mit dem Team entwickelte sie eine klare Linie, ohne »in 15 unterschiedliche Richtungen loszulaufen und mich zu verzetteln.« Sie konzentrierte sich auf ihre Kernthemen: Wirtschaft, Bürokratieabbau, Handwerk sowie kleine und mittlere Unternehmen in Mittelsachsen. Das war besonders wichtig, da nach dem Zerbrechen der Ampelkoalition und der vorgezogenen Bundestagswahl weniger Zeit für den Wahlkampf blieb als gewöhnlich.

»JoinPolitics hat mich darin unterstützt, mich nicht nur als Politikerin zu entwickeln, sondern auch in dem, was mich als Person ausmacht«, sagt Seitz. »Ich muss niemand anderes werden, sondern kann auf meine eigenen Stärken vertrauen und setzen. JoinPolitics hat mir hier sehr den Rücken gestärkt.«

 

Wer wird gesucht?

JoinPolitics sucht Menschen mit Talent für Politik, einem konkreten politischen Vorhaben und dem Antrieb, es umzusetzen. Oft geht damit eine Kandidatur auf ein politisches Amt einher, das ist jedoch kein Muss. Entscheidend ist, dass die Bewerber:innen ein konkretes gesellschaftliches Problem lösen wollen und wissen, wie sie es politisch verändern können. So wie JoinPolitics-Alumna Natascha Sagorski. Sie forderte mit einer Petition, Mutterschutz auch nach Fehlgeburten zu gewähren und stieß erfolgreich eine Gesetzesinitiative auf Bundesebene an: Seit Juni 2025 haben Frauen nach einer Fehlgeburt ab der 13. Schwangerschaftswoche Anspruch auf Mutterschutz.

Vor allem jedoch kommt es bei der Bewerbung auf die Person an. »Ein Vorhaben kann sich ändern, Haltung und Umsetzungskraft bleiben«, sagt Gründerin Weimann. Wer in das Programm aufgenommen wird, entscheidet ein »Talent-Komitee«. Es ist bewusst divers besetzt und wechselt regelmäßig in seiner Zusammensetzung. Bewerben können sich Mitglieder aller demokratischen Parteien sowie parteilos Engagierte. 

 

Gemeinsam Lösungen finden

Gerade Teilnehmende, die zum ersten Mal kandidieren, beschreiben die Expertise und den Austausch mit anderen politisch Engagierten als sehr wertvoll. Das betont auch Nora Seitz. Das Programm schaffe einen »Safe Space«, in dem sich Menschen unterschiedlicher demokratischer Parteien austauschen und diskutieren können – eine Erfahrung, die ihr auch für ihre überparteiliche Arbeit hilft. 

Im Bundestag angekommen, hat Seitz den Parlamentskreis Handwerk gegründet, in dem Abgeordnete über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten. Und auch zu anderen Themen tauscht sie sich regelmäßig mit Abgeordneten anderer Parteien aus. »Wir müssen jetzt alle zusammen in die Hände spucken und Dinge gemeinsam anpacken«, sagt Seitz. Anders kämen demokratische Parteien inzwischen nicht mehr weiter, ergänzt sie mit Blick auf die jüngsten Landtagswahlen in ostdeutschen Bundesländern. 

Was Seitz in ihrer bundespolitischen Arbeit noch fehlt, sind noch mehr Mitstreiter:innen mit einem vergleichbaren Erfahrungshintergrund. »Politiker:innen, die aus der Praxis kommen, gehen Themen und Vorhaben wahnsinnig praktisch an. Reine Berufspolitiker:innen sehen Politik oft als etwas Abstraktes. Sie sitzen vor ihren Texten und Formulierungen«, so Seitz. Hier setzt sie ihre Hoffnungen in JoinPolitics und das dort entstandene Netzwerk. Über das Team sagt sie: »JoinPolitics ist meine Familie. Wenn ich mich mal in einem internen Konflikt befinden sollte, weiß ich, dass ich mich immer bei ihnen melden kann.«

Interessierte können sich auf der Website von JoinPolitics über das Programm informieren und erfahren, ob ihr politisches Vorhaben zu den Förderkriterien passt. Die aktuelle Bewerbungsfrist endet am 14. November 2026. Bewerber:innen müssen über 18 Jahre alt sein und ihren Wohnsitz üblicherweise in Deutschland haben. 

Datenschutz-Einstellungen

Cookie Einstellungen
Diese Website verwendet Cookies die die Ihnen Services ermöglichen, die von externen Anbietern angeboten werden, wie z.B. YouTube oder Google Maps. Rechtsgrundlage ist hier Art. 6 DSGVO (1) a.

Sie können hier der anonymisierten Erfassung Ihres Nutzerverhaltens durch MATOMO widersprechen. Zu diesem Zweck speichern wir einen Cookie auf Ihrem Computer, um diese Entscheidung auch bei späteren Besuche zu respektieren.

Bitte beachten Sie, dass abhängig Ihrer Einstellungen einige Funktionen ggf. nicht zur Verfügung stehen.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung

Matomo-Einstellungen

Achtung: Beim Widerspruch des Trackings wird ein Matomo Deaktivierungs-Cookie gesetzt, der sich Ihren Widerspruch merkt.