Menschen aus einkommensschwachen oder bildungsfernen Familien gelingt es in Deutschland immer noch zu selten, Journalist*in zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt der Medienwissenschaftler Björn Staschen in einem Report, der von Publix, unserem Haus für Journalismus und Öffentlichkeit in Berlin, veröffentlicht wurde.
Der Report basiert auf Interviews mit 18 Journalist*innen, die entweder nicht studiert haben oder aus Haushalten mit niedrigem Einkommen stammen, darunter auch Menschen mit Migrationshintergrund oder Behinderung. Er zeigt, wie sehr die soziale Herkunft die Einstiegschancen in den Journalismus bestimmt: Die Befragten berichten über große Nachteile und Erschwernisse auf dem Weg in den Journalismus. Zudem weist die Untersuchung darauf hin, dass die Hürden nicht an der Redaktionstür enden: Diskussionskultur und Arbeitsweisen in vielen Redaktionen machen es den Befragten schwer, sich langfristig zu etablieren.
So gehen ihre Perspektiven für die Gestaltung journalistischer Inhalte verloren. Eine verpasste Chance, schreibt die Journalistin Linda Zervakis in ihrem Vorwort zur Studie: »Je mehr unterschiedliche Perspektiven und Lebensrealitäten in den Redaktionen vertreten sind, desto offener ist der Blick auf aktuelle Themen. Desto mehr fühlen sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen gehört und gesehen.«
Der gemeinsam von der Schöpflin Stiftung und Publix beauftragte Report entwickelt auf Basis der Gespräche Vorschläge, wie sich Ausbildung, Zugänge für Berufseinsteiger*innen und Redaktionskultur ändern müssen, damit der Journalismus seine Rolle als wichtige Säule der Informationsvermittlung und der Meinungsbildung künftig besser ausfüllen kann. »Mit Björn Staschens Report gewinnt die Debatte um Diversität in deutschen Redaktionen entscheidende Erkenntnisse hinzu. Jetzt heißt es, diese auch in wirksame Maßnahmen zu überführen. Diversere Redaktionen entstehen auch unter den wohlmeinendsten Führungskräften nicht von selbst«, sagt Maria Exner, Gründungsintendantin von Publix.
»Soziale Herkunft im Journalismus« ist die erste Publikation von Publix.Im Sommer 2024 öffnet das Haus in Berlin-Neukölln seine Türen und bietet dann mehr als 300 Arbeitsplätze für Medienschaffende und zivilgesellschaftliche Organisationen sowie Aufnahmestudios und Veranstaltungsräume. Finanziert wird das Haus von der Schöpflin Stiftung mit Unterstützung der Mercator Stiftung Schweiz und der ZEIT Stiftung Bucerius. Die finanziellen Mittel für den ersten Publix-Report stellte die Schöpflin Stiftung bereit.
Der Report „Dafür musst Du mit ’nem Polohemd aufgewachsen sein“. Soziale Herkunft im Journalismus – Handlungsoptionen für neue Zugänge zum Journalismus mit einem Vorwort von Linda Zervakis ist ab sofort frei erhältlich auf der Publix Website.
Mehr Informationen zu Publix unter www.publix.de