Zum zweiten Mal vergibt der Media Forward Fund Förderungen an ausgewählte Medien. Als erster länderübergreifender Fund für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde der Media Forward Fund 2024 von der Schöpflin Stiftung und Publix in Zusammenarbeit mit damals neun weiteren Stiftungen und einem Impact Investor ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Vielfalt im gemeinwohlorientierten Journalismus zu sichern und damit die Demokratie zu stärken.
In der allgemeinen Förderlinie für gemeinwohlorientierten Journalismus erhalten zwei Medien aus der Schweiz und eines aus Deutschland jeweils 400.000 Euro. Beworben hatten sich 113 Medienorganisationen – ausgewählt wurden drei Lokalmedien. Denn obwohl der Lokaljournalismus eine wichtige Grundlage für die Informationsversorgung und Teilhabe an der Demokratie in Bundesländern, Kantonen und Gemeinden bildet, gerät er zunehmend unter Druck: Die Produktionskosten steigen, während die Nachfrage sinkt. Die Geförderten arbeiten mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen, um gemeinwohlorientierten Journalismus zu finanzieren – Modelle, die mithilfe der MFF-Förderung künftig weiterentwickelt werden sollen. Drei weitere Medien werden im Rahmen der neuen Förderlinie Wissenschafts- und Datenjournalismus mit Launch Grants von jeweils bis zu 100.000 Euro gefördert.

»Mit ihrer Entscheidung sendet die Jury ein klares Signal, dass es im Lokaljournalismus viele transformative Geschäftsmodelle mit Zukunftschancen gibt.«
Martin Kotynek, Gründungsgeschäftsführer des Media Forward Fund
Die Geförderten der Allgemeinen Förderlinie
Zu den geförderten Medien der Allgemeinen Förderlinie gehört das Schweizer Lokalmedium Bajour, das sich seit 2019 mit seinem per Newsletter versendeten »Basel Briefing« als wichtiges journalistisches Angebot in Basel etablieren konnte und täglich über 20.000 Menschen erreicht. Mit der Förderung möchte Bajour seine hyperlokalisierten News auf die zehn einwohnerstärksten Vorortgemeinden von Basel ausweiten und informationspflichtige Gemeinden als finanzielle Kooperationspartner gewinnen – ein Ansatz, der von der Jury besonders gelobt wurde. Auch sollen durch die größere Reichweite neue zahlende Unterstützer:innen und zusätzliche Werbeeinnahmen generiert werden.
Das deutsche Lokalmedium Loky* aus dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg überzeugte die Jury als Vorreiter des urbanen Community-Journalismus mit hoher regionaler Relevanz. »Loky* versteht die besonderen Bedürfnisse und Themen der lokalen Zielgruppe und hat darauf ein starkes und überzeugendes Markenkonzept gebaut. Besonders gefallen haben Leichtigkeit, Neugier und Optimismus als Antwort auf das Phänomen der Nachrichtenvermeidung«, so die Jury-Begründung. Mithilfe der Förderung von 400.000 Euro plant das Berliner Lokalmedium sein Angebot auf die Stadtteile Mitte und Pankow auszuweiten.
Die gemeinnützige Schweizer Medienorganisation Spatz nutzt einen KI-basierten Ansatz via Newsletter und WhatsApp, um über regionale Themen zu informieren. »Spatz füllt mit seinen KI-generierten journalistischen Angeboten jene Lücken im ländlichen Raum, die der traditionelle Journalismus hinterlassen hat«, heißt es in der Begründung der Jury. Spatz will die Förderung dazu nutzen, statt bisher acht, künftig mindestens zwanzig Gemeinden im DACH-Raum zu erreichen. Um die Finanzierung langfristig zu sichern, möchte die Medienorganisation mithilfe der Förderung mehr Mitglieder und Werbepartner gewinnen.
Die Geförderten der Förderlinie Wissenschafts- und Datenjournalismus
In der gemeinsam mit der Wissenschaftspressekonferenz aufgesetzten Förderlinie Wissenschafts- und Datenjournalismus waren »Launch Grant« ausgeschrieben. Sie sollen dazu beitragen, ein Vorhaben von der Idee bis zum Launch zu unterstützen.
Eines dieser Vorhaben ist der Launch eines neuen Instagram-Kanals der bereits auf YouTube etablierten Marke »Doktor Whatson« der gemeinwohlorientierten Wissenschaftsredaktion TWENTYTWO Film aus Köln. Der reichweitenstarke YouTube-Kanal bietet leicht zugänglichen Wissenschaftsjournalismus an, zugeschnitten auf eine junge Zielgruppe. Mit 100.000 Euro Förderung startet nun die Umsetzung des Formats auf Instagram. Ausschlaggebend für die Jury war die klare Zielgruppenorientierung sowie der Experimentierfreude des Projekts.
Die investigative Recherche- und Transparenzplattform FragDenStaat wird mit dem Bundespressekonferenz (BPK)-Tracker ein datenjournalistisches Tool umsetzen, das Statements von Bundesministerien, Sachfragen und Antworten der BPK-Mitglieder dokumentiert, verschlagwortet und kategorisiert, um über lange Zeiträume aufzuzeigen, welche Themen öffentlich viel und welche kaum diskutiert werden. »Das Projekt von FragDenStaat stärkt die Funktion der Bundespressekonferenz als Gegenstand der Berichterstattung. Als datenjournalistisches Innovationstool macht es Diskurse nachhaltig transparent und nachvollziehbar«, begründet die Jury die Förderung in Höhe von 75.000 Euro.
Relevante Beiträge aus dem unabhängigen, russisch-, belarussisch- und ukrainischsprachigen Journalismus für ein deutschsprachige Öffentlichkeit verfügbar zu machen, steht im Zentrum der Arbeit der deutschen Plattform Dekoder. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen Journalismus und Wissenschaft. In der Begründung der Jury heißt es: »Indem Dekoder einschlägige Beiträge kuratiert und übersetzt, bieten sie eine zuverlässige Informationsquelle in einem von Propaganda geprägten Mediensegment.« Für den Start seines Newsletter-Angebots erhält Dekoder eine Förderung von 75.000 Euro. Der Newsletter soll zweiwöchig versendet werden: Eine Ausgabe auf Deutsch, die über aktuelle Geschehnisse in Russland, der Ukraine und Belarus informiert, und eine weitere für eine russischsprachige Leserschaft, die wissenschaftlich fundierte Einordnungen zu Deutschland liefert.
Die nächste Förderrunde des Media Forward Fund startet bereits am 11. August 2025. Bis zum 22. August können interessierte Medienorganisationen ihr Kurzprofil beim Media Forward Fund einreichen. Danach folgt ein Erstgespräch, bevor die Antragsstellung zur Förderung bis zum 3. Oktober eingereicht werden kann. Anfang Dezember haben die Medienorganisationen dann die Gelegenheit, sich der Jury in einem Pitch vorzustellen. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Media Forward Fund.