Zeichnung von Johannes Beyerle

»Sie nannten sie Juschka« - Ein Gesprächsabend über Flucht, Ausgrenzung, Vielfalt und Toleranz

Auf dem Gelände der ehemaligen Tonwarenfabrik Kammüller in Kandern findet am Freitag, den 5. Juli 2024 um 19 Uhr unter dem Titel - Sie nannten sie Juschka - eine künstlerische Veranstaltung zu den Themen Flucht, Ausgrenzung, Vielfalt und Toleranz statt.

Die Tonwarenfabrik Kammüller war über viele Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Kanderner Identität. In dem mittelständischen Betrieb, der in einer liberalen und freiheitlichen Familientradition geführt wurde, fanden viele Bürger*innen ihren Arbeitsplatz.

Juschka, eine Frau aus der heutigen Ukraine, die eigentlich Josepha Kochanska hieß, wurde 1942 als Zwangsarbeiterin in der Kanderner Tonwarenfabrik eingeteilt. Sie wurde in die Familie Kammüller integriert und arbeitete als Hausangestellte. Bis in die sechziger Jahre blieb der Kontakt bestehen. So steht Juschka, wie sie genannt wurde, stellvertretend für alle Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs trotz aller Repressalien Fürsorge und Menschlichkeit erfahren durften.

Seit 2020 ist das Gelände der Firma »Kandern Feuerfest« stillgelegt. An diesem Ort, in dieser Stille beziehen vier Gesprächsteilnehmer*innen Stellung. Auf den Wänden der ehemaligen Lagerhallen erscheinen großflächig projizierte Zeichnungen von Johannes Beyerle. Sie wechseln sich ab mit prägnanten Textpassagen von Betroffenen, die die Historikerin Kathryn Babeck gesammelt und zusammengestellt hat. Johannes Beyerle zeigt Büsten, Körper und Gesichter aus Lehm und weißer Erde, die sich mit ihrer morbiden Konsistenz in die verlassenen Räume des Geländes einfügen.

Währenddessen wird Kathryn Babeck mit den Teilnehmenden ins Gespräch kommen. Christine Ableidinger-Günther berichtet vom Arbeitskreis Miteinander aus Steinen über ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen. Die Journalistin und Fotografin Birgit-Cathrin Duval gibt Einblicke in ihre Recherchen zu acht Zwangsarbeiter*innen, die kurz vor Kriegsende im Kleinen Wiesental von zehn Jugendlichen auf Befehl erschossen wurden. Jan Stauffer, Vorsitzender des Fördervereins Erinnerungskultur Müllheim, nimmt die Sprache der Rechtspopulisten unter die Lupe. Ingo Benz, Schreinermeister aus Kandern, berichtet von einer mehrmonatigen Fahrradtour durch Ägypten. Dort erlebte er die Gastfreundschaft der Ärmsten der Armen, eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt.

Die Schöpflin Stiftung unterstützt die Veranstaltung finanziell.

Termin: 5. Juli, 19 Uhr,

Veranstaltungsort: Ehemalige Tonwarenfabrik, Feuerbacherstraße 16, 79400 Kandern

Der Eintritt ist frei.

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