Drei Antworten von Christian Bollert, Geschäftsführer von detektor.fm, Förderpartner des von der Schöpflin Stiftung mitinitiierten Media Forward Fund

Warum Media Forward Fund-Projektpartner detektor.fm auf analoge Begegnungen setzt

Seit dem 9. Februar läuft der bereits vierte Call der allgemeinen Förderlinie des Media Forward Fund – dem ersten länderübergreifenden Fund zur Förderung der Medienvielfalt in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bei der letzten Ausschreibung im Dezember überzeugte das Podcastradio detektor.fm aus Leipzig die Jury und erhält 500.000 Euro für den Start eines neuen Podcast-Angebots für Sachsen-Anhalt. Im Interview spricht Geschäftsführer Christian Bollert darüber, an wen sich das neue Podcast-Angebot im Vorfeld der Landtagswahl richtet und welche Rolle Live-Events beim Aufbau einer regionalen Community spielen. 

1. Was macht Euch als Radiosender aus – und an wen richtet sich das neue Podcast-Format in Sachsen-Anhalt?

Christian Bollert: detektor.fm ist als Podcast-Radio eine Besonderheit im deutschsprachigen Radiomarkt. Denn wir verbinden Podcasts mit moderner Popmusik. Bisher hören uns vor allem digital affine Menschen zwischen 25 und 45 Jahren aus deutschen Groß- und Universitätsstädten. Dabei ist im Verhältnis zur Bevölkerung ein überdurchschnittlich großer Teil akademisch gebildet. Spannenderweise unterscheiden sich die Hörenden jedoch von Podcast zu Podcast. Während beispielsweise das »Gartenradio« eher eine mittelalte weibliche Zielgruppe erreicht, spricht der Fahrradpodcast »Antritt« eher eine mittelalte männliche Zielgruppe an. Der neue Podcast für Sachsen-Anhalt wird ein wöchentliches Format sein, das sich jeweils intensiv mit einem konkreten Thema aus dem Bundesland beschäftigt. Wir richten uns mit diesem Podcast vor allem an Menschen zwischen 25 und 45 Jahren und wollen insbesondere im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen im Herbst ein differenziertes Bild des Bundeslandes Sachsen-Anhalt zeichnen. Neben urbanen Räumen wie Magdeburg und Halle wollen wir explizit auch in den ländlichen Regionen Hörerinnen und Hörer gewinnen.

2. Für Journalist:innen und Medien wird es vielerorts immer schwieriger, unabhängig zu arbeiten – sei es, weil Werbekunden wegfallen oder die Erwartungen und Anforderungen von vielen Seiten steigen. Wie geht Ihr damit in Eurer Arbeit um?

Christian Bollert: Natürlich sind auch wir von all diesen Herausforderungen betroffen. Seit unserer Gründung im Jahr 2009, direkt nach der Finanzkrise, versuchen wir, uns wirtschaftlich so stabil und resilient wie möglich aufzustellen. Das bedeutet für uns, dass wir oft den anstrengenderen, aber dankenswerterweise meistens nachhaltigeren Weg gehen: Wir setzen deshalb beispielsweise von Anfang an auf offene Standards und Schnittstellen, eigene Kanäle und dezentrale Netzwerke. Das geht im Alltag bei Open Source Software wie Thunderbird oder Nextcloud los und reicht vom rss-Standard für Podcasts bis hin zu einer eigenen Instanz im Fediverse. Wir schauen immer, dass wir uns nicht von einer Plattform oder Einnahmequelle abhängig machen. Ökonomisch gibt es deshalb bei uns von Anfang einen Mix von Einnahmen aus Podcast-Werbung, Dienstleistungen, Veranstaltungen und direkter Unterstützung durch die Nutzenden. Möglich breit aufgestellt zu sein, hat es uns bis heute ermöglicht, Rückschläge in einzelnen Bereichen abzufedern.

3. Weshalb setzt Ihr bei detektor.fm stark auf Live-Events?

Christian Bollert: Wir sind heute schon mit unseren Podcasts über Mails oder Social Media Reaktionen in einem sehr engen Austausch mit der jeweiligen Community. Für unser Projekt in Sachsen-Anhalt wird das noch einmal eine neue, weil regionale Ebene bekommen. Wir versprechen uns von den Live-Events einen direkten und qualitativ hochwertigen Austausch mit den Nutzenden. Vor Ort werden deshalb nicht nur Inhalte für den Podcast und den Newsletter entstehen, sondern auch dialogische Formate mit den Besuchenden. Gerade die Kombination aus Newsletter, Podcast und einer Präsenz vor Ort ist für uns vielversprechend. Bei Live-Veranstaltungen können wir ins Gespräch kommen, neue Kontakte knüpfen und bestehende Beziehungen ausbauen. Gerade in Regionen mit wenig Berührungspunkten zu Journalistinnen und Journalisten sind wir von der Kraft dieser analogen Begegnungen überzeugt und versprechen uns davon eine Stärkung unserer Community.

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