Gastbeitrag von Maria Exner zum neuen Publix Whitepaper: Wege aus der Medienkrise. Auf dem Bild zu sehn sind zwei Personen konzentriert am Tisch sitzen, während eine von ihnen die Hand hebt und sich meldet.
Foto: © Phil Dera

Wie sichern wir unabhängigen Journalismus?

Ein Gastbeitrag von Maria Exner, Intendantin von Publix Haus für Journalismus und Öffentlichkeit.


Demokratie braucht verlässliche Informationen. Doch journalistische Angebote stehen wirtschaftlich unter hohem Druck. Lokalredaktionen verschwinden, Werbeeinnahmen wandern zu großen digitalen Plattformen, und immer mehr Menschen verlieren den Zugang zu unabhängigen Nachrichten und vielfältigen Perspektiven. Die Frage ist deshalb, wie wir unabhängigen Journalismus für die Zukunft sichern können.

In den vergangenen Jahren hat sich das wirtschaftliche Fundament des Journalismus‘ grundlegend verändert. Globale Plattformen wie Meta, Alphabet oder TikTok dominieren den digitalen Werbemarkt und erzielen inzwischen höhere Werbeerlöse im DACH-Raum als etablierter Journalismus – ohne selbst journalistische Inhalte zu produzieren.

Im Zusammenspiel mit der eher geringen Zahlungsbereitschaft, etwa für digitale Abonnements, bedeutet das für viele Redaktionen sinkende Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Produktionsanforderungen. Denn Journalismus muss heute auf immer mehr Kanälen präsent sein: online, in sozialen Netzwerken, in Podcasts, Newslettern oder Videoformaten.

Besonders spürbar ist diese Entwicklung auf lokaler Ebene. Dort, wo Redaktionen schließen oder es nur noch wenige journalistische Angebote gibt, entstehen Informationslücken. In Deutschland berichtet schon heute in den meisten Landkreisen nur noch ein lokales Medium. Internationale Studien zeigen, dass solche »News Deserts« nicht nur die Medienvielfalt verringern. Sie schwächen auch demokratische Kontrolle, erhöhen politische Polarisierung und erschweren es Bürger:innen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Journalismus erfüllt in demokratischen Gesellschaften eine zentrale Funktion: Er informiert, ordnet ein und macht Machtverhältnisse sichtbar. Unabhängiger Journalismus ist damit ein grundlegender Bestandteil öffentlicher Kommunikation – und eine Voraussetzung dafür, dass demokratische Prozesse funktionieren können.

Doch wenn Marktlogiken allein darüber entscheiden, welche Informationen produziert werden, geraten gerade jene Themen, Regionen und Perspektiven ins Hintertreffen, die für das Gemeinwesen besonders wichtig sind. Lokale Berichterstattung, investigative Recherchen oder journalistische Angebote für kleinere Zielgruppen lassen sich aktuell nur schwer rein kommerziell finanzieren.
 

Gemeinwohlorientierter Journalismus als Zukunftsmodell 

Hier setzt der gemeinwohlorientierte Journalismus an. Das Konzept beschreibt journalistische Angebote, deren primäres Ziel nicht Gewinnmaximierung ist, sondern ein Beitrag zur demokratischen Öffentlichkeit. Gemeinwohlorientierter Journalismus arbeitet nach den gleichen professionellen Standards wie jeder andere Journalismus: redaktionelle Unabhängigkeit, sorgfältige Recherche, Trennung von Nachricht und Meinung, Transparenz und Rechenschaft gegenüber dem Publikum. Der Unterschied liegt in der Ausrichtung des Geschäftsmodells. Einnahmen werden vor allem dazu verwendet, journalistische Arbeit zu sichern und weiterzuentwickeln – nicht, um Gewinne abzuschöpfen. 

Solche Medien können ganz unterschiedliche Organisations- und Rechtsformen haben: von gemeinnützigen Redaktionen über Stiftungsmodelle bis hin zu privatwirtschaftlichen Medien, die ihre Erlöse überwiegend in Journalismus reinvestieren.

Gemeinwohlorientierter Journalismus erweitert den medialen Resonanzraum. Er macht Themen sichtbar, die im kommerziellen Wettbewerb häufig unterrepräsentiert bleiben, und stärkt damit Vielfalt und Repräsentation in der öffentlichen Debatte. Gleichzeitig trägt er dazu bei, gesellschaftliche Gruppen einzubeziehen, deren Perspektiven sonst selten vorkommen – etwa junge Menschen, Bewohner:innen ländlicher Regionen oder Minderheiten.
 

Journalismus braucht neue Formen der Förderung

Damit solche Angebote entstehen und wachsen können, braucht es jedoch neue Formen der Unterstützung. In vielen Ländern werden derzeit geeignete Fördermodelle debattiert, die unabhängigen Journalismus stärken sollen. Dabei spielen unterschiedliche Akteur:innen eine Rolle: philanthropische Stiftungen, Impact-Investor:innen, aber auch staatliche Programme zur Förderung von Innovation und Medienvielfalt.

Entscheidend ist dabei, dass jede Förderung die redaktionelle Unabhängigkeit wahrt. Dies gelingt am besten, wenn Förderentscheidungen nach transparenten Kriterien und durch unabhängige Expert:innengremien getroffen werden. Ebenso wichtig ist, dass Förderprogramme Innovation ermöglichen und langfristig tragfähige Strukturen unterstützen – statt kurzfristige Abhängigkeiten zu schaffen.

Der Umbau der Medienlandschaft vollzieht sich in rasanter Geschwindigkeit, er wird nicht aufzuhalten sein. Digitale Technologien, insbesondere KI-Anwendungen, werden Produktionsweisen, Geschäftsmodelle und Publikumsgewohnheiten weiter grundlegend verändern. Doch gerade in Zeiten dieser Transformation wird deutlich, wie unverzichtbar unabhängiger Journalismus für demokratische Gesellschaften ist.

Die zentrale Herausforderung besteht deshalb darin, neue Wege zu finden, ihn nachhaltig zu finanzieren. Gemeinwohlorientierter Journalismus kann dabei ein wichtiger Teil der Lösung sein: als Modell für redaktionelle Arbeit, deren Qualität aufgrund nachvollziehbarer Kriterien bewertet werden kann, und das wirtschaftliche Tragfähigkeit mit demokratischer Verantwortung verbindet. Wenn eine Vielzahl gemeinwohlorientierter Medienhäuser den Informationsraum und die Debatten einer Gesellschaft prägt, ist die aktuelle Krise überwunden. Den Weg dahin können wir von hier an gemeinsam gehen. Das Ziel ist klar umrissen.

 

Portraitfoto Maria Exner
Maria ExnerIntendantin von Publix

Maria Exner leitet als Intendantin das Innovationszentrum Publix, ein Haus für gemeinwohlorientierte Medien und Non-Profit-Organisationen. Sie war Mitglied im Rat für die zukünftige Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, kurz »Zukunftsrat". Zuvor war sie Chefredakteurin des ZEITmagazins und stellvertretende Chefredakteurin von ZEIT ONLINE. Ihre Arbeit wurde u.a. ausgezeichnet mit dem Grimme Online Award und als Chefredakteurin des Jahres.

Dieser Beitrag basiert auf dem Publix-Whitepaper: »Neue Wege aus der Medienkrise: Gemeinwohlorientierter Journalismus als Zukunftsmodell«  von Maria Exner und Andy Kaltenbrunner, das im Februar 2026 und mit Unterstützung von ERSTE Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Rudolf Augstein Stiftung, Allianz Foundation, Schöpflin Stiftung, Stiftung Medienvielfalt Basel veröffentlicht wurde.

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