Das Interesse an der eigenen Familiengeschichte während der NS-Diktatur ist groß: Rund 75.000 Menschen erkundigen sich jährlich beim Bundesarchiv nach Dokumenten, die Auskunft über die Rolle ihrer Vorfahren geben können. Als im Frühjahr 2026 erstmals NSDAP-Mitgliedsdaten online zugänglich wurden, verzeichnete die entsprechende Website im ersten Monat mehr als 1,5 Millionen Suchanfragen.
Auch die Familie Schöpflin hat sich intensiv mit ihrer Geschichte während der NS-Diktatur auseinandergesetzt. Im Oktober 2025 wurde eine wissenschaftliche Untersuchung zur Geschichte des Versandhauses Schöpflin während der NS-Diktatur veröffentlicht, die von der Schöpflin Stiftung und mehreren Generationen der Familie Schöpflin angestoßen wurde. Aus dieser generationenübergreifenden Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte entstand die Initiative für eine neue Veranstaltungsreihe vor Ort: »Ruhestörung – eine Reihe über das Erinnern«. Die Konzeption dafür hat ein Team aus Lörrach erarbeitet: Dr. Esther Mikuszies, Leiterin des Kultur- und Debattenorts Werkraum Schöpflin/FABRIC, Birgit Degenhardt (Schöpflin Stiftung) sowie Jan Merk, Historiker und Leiter des Dreiländermuseums Lörrach.
Gespräche, Lesungen, Theater und Projekte mit jungen Menschen sollen dazu anregen, sich mit Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen, miteinander ins Gespräch zu kommen und einen selbstkritischen Blick auf Formen des Erinnerns zu werfen.
Den Auftakt macht im Oktober 2026 ein deutsch-polnisches Projekt zu Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Lörrach. Studierende der Universität Posen (Poznań) beschäftigen sich gemeinsam mit Schüler:innen zweier Lörracher Schulen mit der Hinrichtung eines polnischen Zwangsarbeiters und entwickeln Ideen für einen möglichen Gedenkort.
Im Dezember folgt eine Lesung mit dem Schweizer Politologen und Wissenschaftshistoriker Prof. José Brunner zu seinem Buch »Brutale Nachbarn - Wie Emotionen den Nahostkonflikt antreiben – und entschärfen können«. Im Februar 2027 ist die Schaubude Berlin mit dem dokumentarischen Puppen- und Objekttheater »BÄR. Ein Zeitzeuge erzählt« für Menschen ab neun Jahren in Lörrach zu Gast.
Weitere Gespräche, Workshops und Veranstaltungen sind in Planung.
Die Themenreihe »Ruhestörung – eine Reihe über das Erinnern« ist eine Kooperation zwischen der Schöpflin Stiftung und dem Dreiländermuseum Lörrach.
Alle Termine und weitere Informationen zur Reihe gibt es hier.