Am 8. März wurde in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Zum ersten Mal durften auch Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben – ein Schritt, um mehr junge Menschen in demokratische Prozesse einzubeziehen. Doch wie denken Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren über die zur Wahl stehenden Parteien? Und welche politischen Themen sind ihnen besonders wichtig? Um das herauszufinden – und Kindern zugleich die Möglichkeit zu geben, Demokratie selbst zu erleben – haben die Schöpflin Schule, der Werkraum Schöpflin sowie unser soziokulturelles Begegnungsprojekt FABRIC gemeinsam ein fiktives Kinderwahlbüro für Kinder aus Lörrach eingerichtet.
Bereits im Vorfeld beschäftigten sich die Schüler:innen der Schöpflin Schule sowie der im selben Stadtteil ansässigen Hellbergschule intensiv mit den Wahlprogrammen der sechs stärksten Parteien: CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, AfD und Die Linke. Sie arbeiteten die wichtigsten Aussagen zu den Themen Verkehr, Familie und Soziales, Bildung und Schule, Umwelt und Klima sowie Kultur und Demokratie heraus und hielten ihre Ergebnisse auf Plakaten fest, die vor dem Kinderwahlbüro auf dem FABRIC-Areal zu sehen waren. Zusätzlich erklärten kindgerecht gestaltete Banner, was ein Landtag ist, welche Aufgaben er hat und wie eine Wahl abläuft. Grundlage für das Projekt bildet der vom Kultusministerium Baden-Württemberg für Schulen herausgegebene Leitfaden »Demokratiebildung«.
Vom 5. bis 6. März öffnete das erstmals eingerichtete Kinderwahlbüro im Plankiosk seine Türen: Kinder und Jugendliche aus ganz Lörrach konnten sich informieren, Fragen stellen und schließlich selbst wählen – ganz so wie bei einer echten Wahl. Wer wollte, konnte auf einer Tafel festhalten, welche Themen für die eigene Entscheidung besonders wichtig waren. Am meisten sorgen sich die Kinder um Klima- und Umweltschutz. Aber auch Familienförderung und staatliche Unterstützung für Kulturangebote standen hoch im Kurs. Weitere Themen, die die Kinder beschäftigten, waren unter anderem: »Gute Krankenhäuser«, »Mehr Busse« und »Mehr S- und U-Bahnen«, »Mehr Schulen für Kinder mit Behinderung« sowie »Gleichberechtigung«.
Das Ergebnis der Kinderwahl zeigt Ähnlichkeiten zur Wahl der Über-16-Jährigen: Die beliebteste Partei ist Bündnis 90/Die Grünen, die 51,5 Prozent der Stimmen erhielt. Danach folgt Die Linke mit 16,5 Prozent. Auf dem dritten Platz befindet sich auch hier die AfD mit 13,4 Prozent der Stimmen – eine Partei, deren Landesverband in Baden-Württemberg als extremistischer Verdachtsfall vom Verfassungsschutz eingestuft wird.
Für viele Kinder und Jugendliche war es die erste Gelegenheit, sich intensiv mit demokratischen Wahlen auseinanderzusetzen und selbst eine Stimme abzugeben – wenn auch nur fiktiv. »Es ist cool, weil ich dann besser weiß, wie alles geht, wenn ich wählen darf«, lautete die Rückmeldung eines Kindes. Viele betonten zudem, dass die Meinung junger Menschen stärker wahrgenommen werden sollte. Ein Kind sagte: »Die Erwachsenen sollen auch wissen, was die Kinder wollen.« Das Kinderwahlbüro bot ihnen die Gelegenheit, ihre Perspektiven sichtbar zu machen.